Digitales Archiv des Erzbistums Köln

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    Historisches Archiv des Erzbistums Köln
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    Nachlass Saul, Hans Günter (1927-2015)
    Nachlass Schenkel, Josef (1895-1953)
    Nachlass Schenkel, Reinald (1932-2018)
    Nachlass Schilling, Walter (1924-2021)
    Nachlass Schlegel, Friedrich (1772-1829)
    Nachlass Schmitt, Hermann Joseph (1896-1964)

    Vollansicht Bestand

    Name: Nachlass Schmitt, Hermann Joseph (1896-1964)
    Laufzeit: 1895 - 1964
    Beschreibung: I. Biographie

    Hermann Joseph Schmitt wurde am 1. Juli 1896 als Sohn des Postsekretärs Karl Alfons Schmitt und dessen Ehefrau Margaretha Schmitt geb. Klug in Köln geboren. Nachdem er seine Gymnasialausbildung aufgrund des frühen Todes des Vaters unterbrechen musste, eine Schlosserlehre absolviert und in einer Eisenbahn-Werkstätte in Köln-Nippes gearbeitet hatte, wurde er im Rahmen des Ersten Weltkrieges 1915 als Soldat einberufen. 1917 wurde er verwundet oder erkrankt aus der Armee entlassen und bereitete sich in Privatstudien nun doch auf das Abitur vor. Seit 1918 studierte er zunächst in München, ab 1919 in Bonn und Köln Theologie, Soziologie und Nationalökonomie.

    Nach seiner Priesterweihe am 13. August 1922 begann mit seiner Kaplanstelle an St. Suitbert in Wuppertal-Elberfeld auch sein Engagement für die katholische Sozialbewegung, namentlich die Katholische Arbeiterbewegung.

    Im Jahr 1928 wurde Schmitt, mittlerweile Präses des Katholischen Arbeitervereins Wuppertal und Diözesansekretär des Bonifatiusvereins, als Generalsekretär des Reichsverbandes der Katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine Deutschlands von der KAB (Katholische Arbeit(nehm)er Bewegung) nach Berlin gerufen, wo er im März 1933 als Abgeordneter des Zentrums in den Reichstag einzog. Seine ablehnende Haltung zum Ermächtigungsgesetz und zum Reichskonkordat oder alleinig seine Nähe zu den regimekritischen KAB-Spitzen Otto Müller, Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß schienen der NS-Führung hinreichende Begründung zu sein, Schmitt seit 1935 durch die Gestapo überwachen zu lassen. Trotzdem übte er sein Amt als Generalsekretär noch bis 1939 aus, bevor er als Studentenseelsorger für die Berliner Hochschulen zugleich auch die Leitung des Zentralsekretariates der "Wandernden Kirche" übernahm. Von seinen Erfahrungen in diesem Tätigkeitsfeld angeregt, promovierte er 1942 in Tübingen mit einer Dissertationsschrift über "Die Binnenwanderung innerhalb der katholischen Kirche" zum Doktor der Theologie.

    Obwohl er nicht unmittelbar an der Verschwörung des 20. Juli 1944 beteiligt gewesen war, wurde er am Folgetag als Verdächtiger verhaftet. Zwar wurde er nach dem Durchlaufen von insgesamt 13 Gefängnissen am 12. Oktober vom Volksgerichtshof freigesprochen, jedoch anschließend an die Gestapo überstellt, die ihn am 9. Dezember 1944 zur "Schutzhaft" ins KZ Dachau einlieferte. Unverhofft gelang ihm jedoch am 26. April 1945, als angesichts des Vorrückens der amerikanischen Truppen die politischen Häftlinge liquidiert werden sollten, während des "Evakuierungsmarsches" die Flucht.
    Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes wurde Schmitt von Kardinal Frings als Nachfolger des 1944 in Haft umgekommenen Otto Müller zum Verbandspräses der Katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands ernannt. Nicht nur in dieser Eigenschaft war er vielfältig im Dienste des Wiederaufbaus eines zeitgemäßen Sozialkatholizismus tätig: Gleichzeitig wirkte er als Vorstandsvorsitzender des Katholisch-Sozialen Instituts der Erzdiözese Köln in Bad Honnef, Geistlicher Beirat des Berufsverbandes Katholischer Fürsorgerinnen und Schriftleiter und Herausgeber der Zeitschrift "Priester und Arbeiter". 1948 wurde er Verbandspräsident der Katholischen Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands.

    In seinen letzten Lebensjahren, nachdem er am 6. August 1956 von Papst Pius ? zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt und 1959 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand derart, dass er bald nach seinem Rücktritt als Verbandspräses 1962 bettlägerig wurde. Hermann Joseph Schmitt starb am 23. April 1964 in Köln-Nippes. Zeit seines Lebens wurde er auch "Priester der Arbeiter" genannt.


    II. Teilnachlass I

    Der erste, zeitlich jüngere Teil des Nachlasses Schmitt (Nr. 1-117 und 118-119), der am 28. Mai 1990 anlässlich der Übernahme des Nachlasses von Prälat Dr. Franz Müller vom Katholisch-Sozialen Institut (KSI) Bad Honnef an das Historische Archiv des Erzbistums Köln übereignet worden war, wurde im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums im März 1992 von Alexander Ulrich verzeichnet. Die Unterlagen bestanden weitgehend aus Einzelblättern, ungeordneten Blätterstapeln und Schreibheften, so dass die Anlage von Materialsammlungen erfolgte, die den von Schmitt intendierten Pertinenzen natürlich nicht notwendig entsprechen. Sichtbar zusammengehörige Einheiten wurden jedoch nicht zugunsten der Materialsammlungen voneinander getrennt, sondern separat verzeichnet. Nicht archivwürdige Stücke wurden kassiert. Zeitungsausschnitte, Schreibmaschinendurchschläge sowie unmittelbares Nachkriegsschriftgut weisen schlechte Papierqualität auf.

    Die Akten Nr. 118 und 119 erhielt das AEK erst 1996 aus dem KSI in Bad Honnef.

    Dieser erste Teil des Nachlasses bietet vor allem eine umfangreiche zeitgeschichtliche Dokumentation, einen ausschnitthaften Einblick in die Theologiegeschichte der ersten Jahrhunderthälfte sowie eine vor 1945 geschlossene Predigtsammlung, die Aufschluss bezüglich der Gesinnung und Persönlichkeit Schmitts geben kann. In den Bereichen allerdings, die vermutlich primär für die geschichtliche Forschung nachgefragt werden würden (wie z.B. Widerstand der KAB gegen den Nationalsozialismus, Amtsgeschäfte Schmitts und Wirken der KAB in der Nachkriegszeit), ist die Dichte verhältnismäßig gering, wobei - oft disparate - Einzelstücke gegebenenfalls von Interesse sein dürften.


    III. Teilnachlass II

    Ein weiterer Teil des Nachlasses (Nr. 120-150) befand sich seit mindestens den 1980er Jahren im Archiv der Forschungsstelle der Kommission für Zeitgeschichte (KfZ) in Bonn. Im Dezember 2018 übernahm das AEK diesen Teilbestand im Zuge der generellen Abgabe von Beständen der Kommission (seit 2017/2018). Die vertragliche Regelung erfolgte im Februar 2019. Da es sich um eine Schenkung handelt, sind die Unterlagen in den Besitz des Erzbistums übergegangen und die Rechte liegen beim Archiv.

    Der Bestand war bereits vor längerer Zeit bei der KfZ bearbeitet worden. Im August 2019 erfolgte durch Landesarchivinspektor-Anwärterin Samanta Kaczykowski im Rahmen eins vierwöchigen Praktikums eine Revision der verzeichneten Einheiten. Dabei wurden die vergebenen Titel überprüft, gegebenenfalls angepasst und Signaturen neu vergeben. Auch die Gesamtklassifikation wurde überarbeitet und die bereits 1992 verzeichneten Einheiten (Teilbestand I) sowie die 2019 neu verzeichneten Einheiten entsprechend zugewiesen. Die Signaturen der KfZ bleiben als Altsignaturen erhalten, da sie in der Forschung bereits zitiert wurden.

    In diesem zweiten Teil des Nachlasses finden sich, ebenso wie im ersten Teil, Aufzeichnungen zu verschiedenen gesellschaftlichen und theologischen Themen, Predigten, Aufsätze und Manuskripte. Die berufliche Korrespondenz wurde von Schmitt überwiegend in der Funktion als Generalsekretär des Reichsverbandes der katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine Deutschlands geführt, die private Korrespondenz enthält vor allem Schreiben mit Verwandten, Bekannten und Freunden von Schmitt aus der Zeit von 1941 bis 1944. Besonders hervorzuheben sind in diesem Teilnachlass beispielsweise die beiden Briefe aus dem Konzentrationslager Dachau, der Entnazifizierungsbogen sowie das handschriftliche Manuskript zur Doktorarbeit Schmitts.

    Der Bestand ist wie folgend zu zitieren: AEK, Nachlass Hermann Schmitt Nr. (ggf. Alt-Signaur)


    IV. Literaturhinweise

    Adolph, Walter: Geheime Aufzeichnungen aus dem nationalsozialistischen Kirchenkampf 1935-1943 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Bd. 28), Mainz 1979, S. 232.

    Aretz, Jürgen: Hermann Joseph Schmitt (1896-1964), in: Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 6, hrsg. von Rudolf Morsey und Jürgen Aretz, Mainz 1984, S. 115-126.

    Hammer, Walter: Hohes Haus in Henkers Hand. Rückschau auf die Hitlerzeit, auf Leidensweg und Opfergang deutscher Parlamentarier, Frankfurt/M. 2 1956, S. 87f.

    von Hehl, Ulrich: Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung (VdKfZG, Reihe A: Quellen, Bd. 37), Mainz 1984, Sp. 258f.

    Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1991, S. 499f.

    Weiler, Eugen (Hrsg.): Die Geistlichen in Dachau sowie in anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen, Mödling 1971, S. 587.
    Umfang: 2,1 lfm
    Rechtsstatus: Eigentum
    Literaturangaben: Adolph, Walter: Geheime Aufzeichnungen aus dem nationalsozialistischen Kirchenkampf 1935-1943 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Bd. 28), Mainz 1979, S. 232.
    Aretz, Jürgen: Hermann Joseph Schmitt (1896-1964), in: Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 6, hrsg. von Rudolf Morsey und Jürgen Aretz, Mainz 1984, S. 115-126.
    Hammer, Walter: Hohes Haus in Henkers Hand. Rückschau auf die Hitlerzeit, auf Leidensweg und Opfergang deutscher Parlamentarier, Frankfurt/M. 2 1956, S. 87f.
    von Hehl, Ulrich: Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung (VdKfZG, Reihe A: Quellen, Bd. 37), Mainz 1984, Sp. 258f.
    Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1991, S. 499f.
    Weiler, Eugen (Hrsg.): Die Geistlichen in Dachau sowie in anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen, Mödling 1971, S. 587.
    Geschützt bis: 31.12.2004
    Begründung: Schutzfrist von 40 Jahren gem. Kirchlicher Archivanordnung (KAO) sowie bei personenbezogenen Unterlagen 30 Jahre nach Tod bzw. 120 Jahre nach Geburt
    Nachlass Schnitzler, Theodor (1910-1982)
    Nachlass Schönartz, Wilhelm (1910-1988)
    Nachlass Schraaf (1912-1994)
    Nachlass Schrörs, Heinrich (1852-1928)
    Nachlass Schulten, Walter (1920-1993)
    Nachlass Solzbacher, Joseph (1909-1978)
    Nachlass Spee, Mariano Graf von (1905-1974)
    Nachlass Sproß, Adolf (1909-1989)
    Nachlass Stass, Peter (1878-1945)
    Nachlass Steinberg, Josef (1904-1981)
    Nachlass Steinhausen, Johannes Heinrich (geb. 1802)
    Nachlass Steffens, Arnold
    Nachlass Strick, Hermann (1928-1984)
    Nachlass Struth, Hans (1893-1972)
    Nachlass Tack, Franz (1908-1981)
    Nachlass Teusch, Joseph (1902-1976) I
    Nachlass Teusch, Joseph (1902-1976) II
    Nachlass Thelen, Wilhelm (1875-1950)
    Nachlass Torsy, Jakob (1908-1990)
    Nachlass Tosetti, Wilhelm (1882-1963)
    Nachlass Trippen, Norbert (1936-2017)
    Nachlass Tyciak, Julius (1903-1973)
    Nachlass Völker, Joseph (1921-2010)
    Nachlass Vogels, Heinrich (1880-1972)
    Nachlass Wachowsky, Bernhard (1892-1977)
    Nachlass Walter, Ewald (1901-1997)
    Nachlass Weber, Peter Joseph (1897-1953)
    Nachlass Witte, Franz-Werner (1923-2019)
    Nachlass Woelki, Ernst (1913-2008)
    Nachlass Wolter, Franz (1838-1911)
    Nachlass Wurzer, Joseph (1770-1860)
    Nachlass Zorn, Peter (1905-1964)
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